Routinier Jordan Knackstedt soll bei den Blue Devils eine Führungsrolle einnehmen
Jordan Knackstedt ist zurück in der DEL2: Mit dem 37-jährigen Stürmer haben die Blue Devils Weiden einen erfahrenen Offensivspieler verpflichtet, an dem der Club schon einmal interessiert war. Weiden ist bereits die 19. Profistation des Deutsch-Kanadiers – entsprechend viel Erfahrung bringt Knackstedt mit in die Oberpfalz.
Jordan, dein ehemaliger Mitspieler Max Kolb hat dich genannt, als er gefragt wurde, welchen Spieler er am liebsten in seinem Team hätte. Wie sehr freut dich so ein Lob?
Jordan Knackstedt: „Es ist natürlich sehr schön, so etwas von einem ehemaligen Teamkollegen zu hören, und es bedeutet mir viel. Ich habe mit Max in Dresden zusammengespielt. Max ist ein großartiger Spieler, deshalb ist es schade, dass er nicht mehr in Weiden ist. Aber ich freue mich darauf, ihn auf dem Eis wiederzusehen, wenn wir gegen Memmingen spielen.“
In Weiden wirst du mit Vladislav Filin wiedervereint. Was hat er dir über die Blue Devils erzählt?
Knackstedt: „Ich habe während meiner Vertragsverhandlungen ziemlich viel mit Vladi gesprochen. Er hatte nur Positives über den Club und die Professionalität der Mannschaft zu sagen. Die Gespräche mit ihm haben meine Vorfreude darauf, zum Club zu kommen, noch größer gemacht.“
Du hast im Laufe deiner Karriere für viele verschiedene Teams gespielt. Welche Stadt, welcher Club oder welcher Lebensabschnitt hat dich abseits des Eises als Mensch am meisten geprägt?
Knackstedt: „Jede Station bringt einem etwas anderes bei, und ich hatte das Glück, an einigen großartigen Orten spielen zu dürfen und so viel von der Welt zu sehen. Ohne Hockey hätte ich diese Möglichkeit nicht gehabt. Am meisten geprägt hat mich wahrscheinlich der Schritt, mit 15 Jahren von zu Hause in Saskatchewan wegzugehen, um in Alberta in der WHL zu spielen. Das hat mich sehr schnell dazu gezwungen, selbstständig zu werden. Auch das Spielen in verschiedenen Ländern und Städten gibt einem eine neue Perspektive. Man trifft unterschiedliche Menschen, erlebt verschiedene Kulturen, und all das hilft einem, als Mensch zu wachsen.“
Du hast deine Juniorenzeit angesprochen: Hast du den diesjährigen NHL-Draft verfolgt? Du selbst wurdest ja 2007 von den Boston Bruins gedraftet.
Knackstedt: „Ja, ich verfolge den Draft immer. In Kanada ist das ein riesiges Thema in den Medien, und in den Wochen davor spricht praktisch jeder darüber. Selbst gedraftet worden zu sein, werde ich nie vergessen. Es war großartig, drei Jahre lang Teil der Organisation der Boston Bruins zu sein, und ich denke, das hat mich zu dem Spieler gemacht, der ich heute bin.“
Die Organisation legt für die kommende Saison großen Wert auf Führung und eine positive Kabinenkultur. Mit 37 Jahren gehörst du zu den ältesten Spielern im Team. Was macht deiner Meinung nach einen wirklich guten Leader in der Kabine aus?
Knackstedt: „Ein guter Leader weiß, wann er sprechen und wann er zuhören muss. Er steht außerdem auf und neben dem Eis für seine Teamkollegen ein. Es beginnt auch mit dem eigenen Handeln: Man kann von anderen nichts erwarten, wozu man selbst nicht bereit ist. Jeder Spieler ist anders. Manche brauchen positive Ermutigung, andere ehrliche Worte. Führung bedeutet, seine Mitspieler zu verstehen und ihnen dabei zu helfen, ihre beste Leistung abzurufen. Man muss zuerst auf das eigene Spiel schauen und sicherstellen, dass man alles tut, um der Mannschaft zu helfen. Wenn jeder diese Dinge lebt, entsteht eine gesunde Kabine ganz von allein.“
Du hast über viele Jahre hinweg in der DEL2 konstant offensiv produziert. Was ist dein Geheimnis, um über so lange Zeit ein so hohes offensives Niveau zu halten?
Knackstedt: „Ein echtes Geheimnis gibt es nicht. Es geht um Vorbereitung und Konstanz. Ich versuche, so gut wie möglich auf meinen Körper und meine Regeneration zu achten – zum Beispiel durch Physio und Massagen. Außerdem bin ich ein großer Fan der deutschen Saunakultur. Darauf zu achten, gut zu essen und genug zu schlafen, macht für mich einen großen Unterschied. Im Sommer trainiere ich sehr gezielt, damit ich möglichst gut vorbereitet in die Saison gehen kann. Außerdem habe ich das alles nicht allein geschafft. Ich hatte das große Glück, immer wieder starke Reihenpartner zu haben, die mir geholfen haben, offensiv erfolgreich zu sein.“
Was reizt dich am meisten an dieser Chance in Weiden – und was müsste passieren, damit du am Ende der Saison sagen kannst: „Das war eine richtig gute Saison“?
Knackstedt: „Es ist eine neue Herausforderung in einer neuen Stadt, und das allein ist für mich schon spannend. Ich bin sehr froh, zurück in der DEL2 zu sein, und dankbar für diese Chance. Persönlich möchte ich offensiv meinen Beitrag leisten und den jüngeren Spielern helfen, aber der Teamerfolg steht immer an erster Stelle. Die Playoffs sind natürlich das große Ziel, und daran werden ich und die gesamte Mannschaft das ganze Jahr arbeiten. Wenn ich alles getan habe, was ich konnte, um dem Team zu helfen, dann würde ich es als erfolgreiche Saison bezeichnen.“
Wenn ein Gegner versucht, dir den Spaß am Spiel zu nehmen: Wie bleibst du produktiv und fokussiert?
Knackstedt: „Ich lasse eigentlich nicht wirklich an mich heran, was die gegnerische Mannschaft macht oder sagt. Ich bin ein ziemlich ruhiger Typ, und es braucht viel, um mich aus der Fassung zu bringen. Ich bin aber auch niemand, der andere einfach immer wieder mit Dingen davonkommen lässt, die mich oder meine Teamkollegen verletzen könnten. Manchmal müssen solche Dinge auf dem Eis geregelt werden, und das gehört im Hockey einfach dazu.“
Du hast in deiner Karriere Höhen, Vereinswechsel, Drucksituationen und schwierige Phasen erlebt. Gibt es etwas, das du mit 37 heute anders siehst als Mitte 20?
Knackstedt: „Absolut, ich sehe viele Dinge heute anders. Wenn man jünger ist, fühlt sich jeder Rückschlag riesig an, und man hat ständig das Gefühl, sich beweisen zu müssen. Mit Erfahrung merkt man, dass Hockey voller Höhen und Tiefen ist. Man lernt, nach einem Sieg nicht zu euphorisch und nach einer Niederlage nicht zu niedergeschlagen zu sein. Eine schlechte Niederlage oder ein schwieriges Spiel lasse ich persönlich in der Kabine beziehungsweise in der Arena und nehme es nicht mit nach Hause. Jeder Tag ist eine neue Chance, zu arbeiten und besser zu werden. Ausgeglichen zu bleiben, ist wahrscheinlich die wichtigste Lektion, die ich gelernt habe.“
Du spielst in deiner Freizeit gerne Poker. Was fasziniert dich an diesem Spiel – und siehst du Parallelen zwischen Poker und Hockey?
Knackstedt: „Ich bin von Natur aus sehr ehrgeizig, deshalb mag ich Spiele, die einen mental genauso fordern wie körperlich. Poker ist zwar anders als Hockey, aber in beiden Spielen muss man ein paar Schritte vorausdenken, diszipliniert bleiben und darf keine emotionalen Entscheidungen treffen. In beiden Spielen muss man manchmal auf die richtige Chance warten und darf nichts erzwingen. Das Wettkampfelement ist auch beim Poker vorhanden, und genau das macht es für mich so reizvoll.“
Foto: Sandro Halank, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0
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