„Auch als großer Bruder lernt man nie aus“

Danke für die Einordnung. Dann passt dieser Alt-Text besser: **Niklas Postel im Trikot der Dresdner Eislöwen beim Bully gegen Vlad Filin von den Blue Devils Weiden.** Etwas ausführlicher: **Niklas Postel, noch im Trikot der Dresdner Eislöwen, beim Bully gegen seinen zukünftigen Teamkollegen Vlad Filin von den Blue Devils Weiden.**


Niklas Postel über seinen Wechsel, den Austausch mit Bruder Louis und die Kunst

Niklas Postel verstärkt die Offensive der Blue Devils Weiden. Der 28-Jährige lief zuletzt vier Jahre für die Dresdner Eislöwen auf. Nun hat er sich für den Wechsel nach Weiden entschieden.

Niklas, du verlässt Dresden nach vier Jahren. Warum hast du dich für einen Wechsel zu den Blue Devils Weiden entschieden?

Niklas Postel: „Dresden ist mir in den letzten vier Jahren wirklich ans Herz gewachsen, seien es die Fans, die Stadt oder die Teamkollegen. Und ich habe in dieser Zeit als Sportler eigentlich alles erlebt. Sportlich gesehen habe ich in einer tragenden Rolle sowohl den Abstieg mit verhindert als auch den Aufstieg mitgeprägt. Diese Möglichkeiten habe ich aus meiner Sicht in der letzten Saison leider nicht mehr bekommen. Nach Gesprächen mit den Verantwortlichen habe ich für mich deshalb keine sportliche Zukunft mehr in Dresden gesehen. Ich glaube, Veränderung tut einem Sportler manchmal einfach gut — und besonders, nachdem ich die Entscheidung getroffen habe, fühlt sich dieser Schritt sportlich genau richtig an. Der Kontakt mit Jürgen Rumrich war von Anfang an sehr positiv, dazu kamen gute Gespräche und Rückmeldungen von ehemaligen Teamkollegen.“

Die Blue Devils befinden sich aktuell in einer Phase des Umbruchs. War das für dich eher ein Risiko — oder vielleicht gerade ein reizvoller Faktor?

Niklas: „Für mich definitiv eher ein reizvoller Faktor. Klar bringt ein Umbruch immer auch etwas Ungewisses mit sich, aber Risiko ist im Sport oft relativ – entscheidend ist, was man daraus macht. Die Menschen, die ich bisher kennenlernen durfte, arbeiten hier mit unglaublich viel Herzblut und gleichzeitig sehr professionell. Genau deshalb sehe ich darin eine große Chance: Teil der Entwicklung eines jungen Teams zu sein und Verantwortung zu übernehmen.“

In Dresden warst du zuletzt Assistenzkapitän. Bist du eher ein ruhiger oder ein lauter Führungsspieler?

Niklas: „Ich glaube, Führung hat viele Facetten. Ich war in Dresden zweieinhalb Jahre Assistenzkapitän und die letzten zwölf Spiele der vergangenen Saison Kapitän der Mannschaft. Ich will Verantwortung übernehmen und wachse daran auch als Spieler und Mensch. Für mich beginnt Führung aber vor allem im Alltag – vorzuleben, was es bedeutet, Profi zu sein, auch die unbequemen Extraschritte zu gehen und konstant zu arbeiten. Und wenn ich das Gefühl habe, dass etwas angesprochen werden muss, dann tue ich das auch – selbst wenn es mal unbequem wird.“

Wie würdest du deinen Spielstil beschreiben — und was können die Fans in Weiden von dir erwarten?

Niklas: „Ich mag geradliniges und hartes Hockey. Ich bringe viel Energie aufs Eis und kann für Gegner auch unangenehm sein. Außerdem sehe ich mich als Spieler, der sowohl in Überzahl als auch in Unterzahl wertvoll für die Mannschaft sein kann. Große Ankündigungen will ich da gar nicht machen, aber ich kann sagen, dass ich in Weiden wieder mehr von den Qualitäten zeigen möchte, die ich vergangene Saison aufgrund meiner Rolle nicht mehr aufs Eis bringen konnte.“

Du bist bereits mit 15 Jahren nach Salzburg gegangen. Wie sehr hat dich diese Zeit sportlich und persönlich geprägt?

Niklas: „Unfassbar stark. Ich bin meiner Familie und allen Verantwortlichen bis heute unglaublich dankbar für diese Möglichkeit. In so jungen Jahren schon international auf höchstem Niveau gefordert zu werden, ständig am Limit zu arbeiten, zu reisen und so viele Eindrücke zu sammeln – das prägt einen enorm. Dazu kommen die sportlichen Voraussetzungen dort, die bis heute außergewöhnlich sind. Aber auch persönlich hat mich die Zeit extrem weitergebracht. Und viele Freundschaften aus dieser Zeit bestehen bis heute.“

Wie bereitest du dich auf die neue Saison vor?

Niklas: „Dadurch, dass die Saison dieses Jahr relativ früh beendet war, konnte ich auch früher wieder ins Training einsteigen. Ich bin aktuell viel in der Heimat und trainiere dort gemeinsam mit meinem Bruder und meinem Papa. Das macht nicht nur Spaß, sondern pusht natürlich auch noch mal zusätzlich. Und die Vorfreude auf die neue Saison ist sowieso ein großer Motivationsfaktor.“

Dein jüngerer Bruder Louis spielte vergangene Saison in Erfurt. Holt er sich manchmal Tipps oder Ratschläge beim großen Bruder?

Niklas: „Haha, jetzt muss ich aufpassen, was ich sage. Nein, Spaß beiseite – wir tauschen uns schon extrem viel aus und haben täglich Kontakt. Das geht aber in beide Richtungen. Ich finde, wir ergänzen uns bei vielen Ansichten ganz gut. Auch als großer Bruder lernt man nie aus.“

Was man so hört, bist du abseits des Eises ein Künstler. Wo kann man deine Werke begutachten?

Niklas: „Das ist eher eine kleine Nebenbeschäftigung, aber definitiv ein guter Ausgleich zum Eishockey. Es hilft mir auch, mal komplett abzuschalten. Wer weiß – vielleicht hängt ja irgendwann das ein oder andere Bild in einem Wohnzimmer oder Büro. Und wenn jemand Interesse hat, kann er mich gerne kontaktieren. Vielleicht ergibt sich daraus ja mal etwas.“

Foto: Werner Moller

Anmerkung: Eine Kurzfassung des Interviews erschien bereits in der EishockeyNEWS Ausgabe Ausgabe 20, 12.05.2026