„Er leistete immer mehr als die anderen“

Eishockeyspieler in rotem Trikot checkt einen Gegenspieler in blauem Trikot an der Bande, während Zuschauer hinter der Plexiglasscheibe zusehen.


Neuzugang Mario Scalzo lebte einst mit Weltstar Sidney Crosby zusammen

Die Blue Devils Weiden verstärken ihre Defensive mit Erfahrung: Mario Scalzo wechselt von den Eispiraten Crimmitschau in die Max-Reger-Stadt. Der 41-jährige Verteidiger soll der Abwehr künftig mehr Stabilität und Führungsstärke geben.

Mario, du bist in Kanada geboren, hast inzwischen aber auch die deutsche Staatsbürgerschaft. Wo fühlst du dich heute zu Hause – geografisch, kulturell und emotional?

Mario Scalzo: „Meiner Erfahrung nach müssen wir, wenn wir uns integrieren wollen, unsere Denkweise, unsere Mentalität und unsere Lebensweise komplett ändern. Genau das musste ich tun, um mich wie ein Deutscher zu fühlen und die deutsche Staatsbürgerschaft zu erhalten. Ich lebe ganz wie ein Deutscher und fühle mich hier zu Hause. Ich musste meine kanadische Staatsbürgerschaft aufgeben, um die deutsche zu erhalten.“

Du bist mit 41 Jahren immer noch aktiv. Was treibt dich heute an, wenn nicht mehr der Traum vom ganz großen Durchbruch im Vordergrund steht?

Mario: „Mit 32 habe ich drei Jahre lang mit dem Spielen aufgehört, um mich anderen Prioritäten zu widmen. Dabei habe ich erkannt, dass Eishockey mich geistig und körperlich fit hält. Da ich mich schon seit sehr langer Zeit an diesen Lebensrhythmus und vor allem an die Spielerkabine gewöhnt habe, wird es mir am schwersten fallen, darauf zu verzichten.“

Du warst ein erfolgreicher Juniorenspieler, wurdest aber nie gedraftet. Hat dich das damals eher geärgert, enttäuscht oder angetrieben?

Mario: „Natürlich war ich sehr enttäuscht, vor allem nach den guten Spielzeiten, die ich zuvor gespielt hatte. Früher waren Verteidiger meist groß und kräftig, das Spiel war langsamer und körperbetonter. Das war für einen Spielertyp wie mich eher ein Nachteil.“

Gibt es eine Entscheidung in deiner Laufbahn, die du heute anders treffen würdest?

Mario: „Nein, so sehe ich das nicht, sonst gäbe es immer etwas zu ändern. Es gibt immer positive und negative Seiten. Ich ziehe es vor, aus jeder Entscheidung, die ich treffe, zu lernen.“

Du hast viele unterschiedliche Hockeykulturen kennengelernt. Gibt es etwas, das du dir im deutschen Eishockey stärker wünschen würdest?

Mario: „Ich glaube, der wichtigste Punkt, an dem hier noch gearbeitet werden muss, ist die Förderung junger Spieler und die Frage, wie man sie zu mehr Erfolg führen kann. Die Fankultur in Deutschland ist sehr gut, und die Stimmung in den Stadien ist besser als in vielen anderen Ländern.“

Und umgekehrt: Was macht das deutsche Eishockey besser, als viele im Ausland vielleicht denken?

Mario: „Viele deutsche Spieler haben auf internationalem Spitzenniveau gespielt, und die meisten von ihnen haben diese Erfahrungen mitgebracht und teilen sie hier. Auch viele nordamerikanische Spieler sind hier aktiv und bringen eine andere Mentalität ins Spiel ein, was ebenfalls hilfreich sein kann.“

Du hast unter anderem mit Sidney Crosby zusammengespielt. Wann hast du gemerkt, dass er anders ist?

Mario: „Ja, ich hatte das Glück, an seiner Seite zu spielen und ihn als sehr guten Freund zu haben. Schon auf den ersten Blick merkte man, dass dieser Spieler den anderen immer einen Schritt voraus ist. Ich habe mit ihm zusammengelebt und festgestellt, dass er immer mehr leistete als die anderen – sowohl beim Eishockey als auch privat.“

Du hast gesagt, dass du in Weiden ein neues Kapitel aufschlagen und deine Erfahrung einbringen möchtest. Was bedeutet „Erfahrung einbringen“ ganz konkret im Alltag?

Mario: „In meinem Alter bin ich nicht mehr der Schnellste oder Stärkste. Aber ich kann meine Erfahrung nutzen, um das Spiel besser zu lesen, bessere Entscheidungen zu treffen und dieses Wissen an jüngere Spieler weiterzugeben.“

Gibt es etwas, das du dem jungen Mario Scalzo heute sagen würdest?

Mario: „Bleibe immer du selbst und stelle das Team immer über dich selbst. Erfolg erreicht man nicht allein, sondern im Team. Wenn du nicht weißt, wie man verliert, wirst du nie wissen, wie man gewinnt.“

Foto: Werner Moller

Anmerkung: Eine Kurzfassung des Interviews erschien bereits in der EishockeyNEWS Ausgabe Ausgabe 23, 02.06.2026

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